Was? Die Studienbeihilfe wird erhöht?

Dass wir das noch alle erleben dürfen: Nach jahrelanger Intervention wird das österreichische Studienförderungssystem nun endlich einer umfassenden Änderung unterzogen. Am 7. Juni 2017 wurde mit dem einstimmigen Beschluss des Nationalrates über die Novellierung des Studienförderungsgesetzes ein Meilenstein in der Entwicklung des österreichischen Studienbeihilfensystems gesetzt, der mit 1. September 2017 in Kraft tritt.

 

Doch welche Neuerungen umfasst diese Novelle?

  • Signifikante Erhöhung der Studienbeihilfe

Die neue Novellierung des Studienförderungsgesetzes sieht eine Erhöhung der Studienbeihilfe um rund 18 Prozent vor. Damit soll die Nichtvalorisierung der Studienbeihilfe seit 2008 ausgeglichen werden. Die folgende Tabelle veranschaulicht, wie sich diese Erhöhung auf die jährliche Höchststudienbeihilfe der verschiedenen Studierendengruppen auswirken wird:

Studierendengruppe

Jährliche Höchststudienbeihilfe

Bis 31. August 2017

Jährliche Höchststudienbeihilfe

Ab 1. Sept. 2017

Nicht auswärtige Studierende:

5.088 EUR/ Jahr

6.000 EUR/ Jahr

Vollweisen,
Verheiratete,
Verpartnerte,
Studierende mit Kind,
Auswärtige Studierende:

7.272 EUR/ Jahr

8.580 EUR/ Jahr

NEU Studierende über 24:

 

8.580 EUR/ Jahr

SelbsterhalterInnen:

7.272 EUR/ Jahr

8.580 EUR/ Jahr

 

Studierende, denen eine Studienbeihilfe für das Sommersemester 2017 und das Wintersemester 2017/18 bewilligt wurde, erhalten ab September 2017 entsprechend der Novelle eine höhere Studienbeihilfe. Eine neuerliche Antragstellung ist nicht notwendig!

  • Auswärtigkeit für über 24-Jährige

Ab September 2017 werden alle Studierende, die das 24. Lebensjahr bereits vollendet haben, unabhängig vom eigenen Wohnsitz oder dem Wohnsitz der Eltern, als auswärtig eingestuft. Dadurch kann sich eventuell eine höhere Studienbeihilfe ergeben.

  • Erhöhungszuschläge für ältere Studierende

Im Zuge der Novellierung hat man sich die Erkenntnisse der letzten Studierendensozialerhebungen zu Herzen genommen und versucht die finanzielle Deprivation von älteren Studierenden in Form von Erhöhungszuschlägen auszugleichen. So erhalten über 24-Jährige bzw. über 27-Jährige ab September 2017 zusätzlich zu ihrer „normalen“ Studienbeihilfe einen monatlichen Erhöhungszuschlag von 20 bzw. 40 EUR.

  • Erhöhung der zumutbaren Unterhaltsleistung der Eltern

In der Vergangenheit hatten immer weniger Studierende Anspruch auf eine Studienbeihilfe, da ihre Eltern im Sinne des Studienförderungsgesetzes „zuviel verdient“ haben. Dieses Phänomen war der Nichtanpassung der Unterhaltsbeträge der Eltern geschuldet. Mit der Erhöhung der Beträge der zumutbaren Unterhaltsleistungen der Eltern, wurde auf die Problematik der kalten Progression reagiert und zukünftig werden wieder mehr Studierende Anspruch auf (eine konventionelle) Studienbeihilfe haben.

Tipp: Wir raten daher allen Studierenden, die bisher keinen Anspruch auf Studienbeihilfe hatten weil ihre Eltern über zu hohe Einkünfte verfügten, im Herbst 2017 einen neuen Studienbeihilfenantrag zu stellen!

 

Novelle des Studienförderungsgesetzes 2016

Bereits im Jahr 2016 wurden geringfügige Änderungen des Studienförderungsgesetzes beschlossen, welche ebenfalls mit 1. September 2017 in Kraft treten werden. Diese damalige Novellierung hat natürlich auch Auswirkungen auf die jetzige Novelle und umfasst folgende Neuerungen:

  • Neuregelung der Auswärtigkeit:

Die Überprüfung der Auswärtigkeit wird ab September 2017 automationsunterstützt erfolgen. In diesem Zusammenhang wird nun nicht mehr die Heimatgemeinde der Eltern für die Zumutbarkeit des Pendelns herangezogen, sondern die genaue Wohnadresse der Erziehungsberechtigten. Durch Übergangsbestimmungen wird außerdem garantiert, dass eine bis zum 31. August 2017 vorliegende Auswärtigkeit nicht verloren geht. Ändert sich allerdings dein Studienort, dann wird die Auswärtigkeit natürlich neu überprüft.

  • Rechtsanspruch auf das Studienabschluss-Stipendium (SAS)

Ab September 2017 besteht ein Rechtsanspruch auf das Studienabschluss-Stipendium, denn bisher wurde das Stipendium im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung vergeben. Darüber hinaus wurde das höchstmögliche SAS von 1.040 EUR auf monatlich 1.200 EUR angehoben. Weiters wurde die Nachweisfrist des Studienabschlusses zum Ausschluss einer Rückzahlung von 6 auf 12 Monate verlängert.

 

Doch welche Tücken liegen im Detail?

Bei all der Freude über diese umfassende Novellierung des Studienförderungsgesetzes - manchmal steckt der Teufel im Detail:

Insbesondere SelbsterhalterInnen, die im Herbst 2017 das erste Mal einen Antrag auf Studienbeihilfe stellen werden, müssen zum Nachweis des Selbsterhalts nun nicht mehr eine durchgehende Beschäftigung in den vergangenen 48 Monaten mit einem Jahreseinkommen von 7.272 EUR sondern von 8.580 EUR pro Jahr vorlegen können. Hier gibt es leider keine Übergangsregelung! SelbsterhalterInnen, die bereits SelbsterhalterInnenstipendium beziehen, sind von dieser Neuregelung grundsätzlich nicht betroffen. Ob es eventuell Probleme beim Übergang von Bachelor- auf Masterstudien bzw. Diplom- auf Doktoratsstudien geben wird, ist derzeit noch offen. Sobald wir hier neue Informationen erhalten, informieren wir euch natürlich!

Darüber hinaus wird es aufgrund der Fülle von Anträgen bei der Stipendienstelle Linz im Wintersemester 2017/18 sicherlich zu längeren Bearbeitungszeiten kommen. Wir bitten euch in diesem Zusammenhang um Verständnis für die etwaigen Verzögerungen. Aufgrund des derzeitigen Personalstandes sind die MitarbeiterInnen der Stipendienstelle Linz jetzt schon bei der Bearbeitung gefordert und wie immer gilt: Lieber Qualität vor Quantität!

Gerne könnt ihr euch bei weiteren Fragen an uns oder direkt an die Stipendienstelle Linz wenden! Auf unserer Homepage https://www.oeh.jku.at/sozialreferat werden wir euch auch im Sommer über aktuelle Informationen in diesem Zusammenhang informieren.

Euer ÖH Sozialreferatsteam

Kontakt Stipendienstelle Linz:
Adresse: Ferihumerstraße 15, 4040 Linz
Telefon: +43 (0) 732/ 66 40 31
E-Mail:
Website: www.stipendium.at
Bei E- Mailanfragen bitte unbedingt immer Matrikelnummer, Personenkennzahl oder SV-Nummer angeben!