Lehrinhalte evaluieren

Die im Frühjahr von uns veröffentlichten Umfragen über die lange Studiendauer und die geringe Studienabschlussquote haben an der JKU einiges in Bewegung gebracht. Erstmals war schwarz auf weiß belegt, dass wir an der JKU ein Problem haben und dringend daran arbeiten müssen.

Wenn von drei Studienanfängern nur mehr einer das Studium abschließt, so ist dies nicht nur die Schuld von uns Studenten, sondern auch ein Abbild des Systems. Die Grundproblematik liegt in der forschungsgeleiteten Lehre. Die Idee dahinter ist, dass auf der Universität geforscht wird und die Ergebnisse direkt in die Lehre einfließen. In vielen Fällen wird so der Stoff laufend um neue Erkenntnisse erweitert und vergessen, am anderen Ende wieder zu kürzen. Als Folge sind viele Fächer oft sehr mit Stoff überfrachtet, dass der Blick auf das Wesentliche verloren geht. Zusammenhänge werden so meist nur mehr schwer erkennbar.

 

Ersetzen statt ergänzen

Die Zahlen zeigen deutlich: Es muss ein Paradigmenwechsel her! Wenn auf der einen Seite neuer Stoff hinzugefügt wird, sollte gleichzeitig auch weniger relevanter Stoff wieder in die Schublade gelegt werden. Verabsäumt dies eine Universität, so werden die Studienpläne von Semester zu Semester schwerfälliger.

Verständnis in den Mittelpunkt

Es geht nicht darum, genau eine bestimmte Menge an Paragrafen, Formeln oder Leitsätzen zu kennen. Man wird kein besserer Jurist indem man 100 zusätzliche Paragrafen auswendig lernt. Vielmehr geht es darum, ein Verständnis für Gesetze zu entwickeln und zu lernen, wo und wie man Fälle lösen kann.

Man wird auch kein besserer Physiker, indem man 100 Formeln in sein Hirn trommelt, sondern indem man Physik versteht, Zusammenhänge erkennt und neue Brücken bauen lernt.

Mechanismen für Systemwechsel

Wir haben mit dem Rektorat bereits Gespräche aufgenommen und sind am Erarbeiten von konkreten Projekten. Klar ist, dass sich dieses System ohne konkrete Mechanismen nicht ohne weiteres umkrempeln lässt. Genau darin liegt unser Beitrag um die Stofffülle langsam zurückzuschrauben und das Verständnis in den Mittelpunkt zu rücken.