Profisportler und Student: Florian Schnetzer im Interview

Als Profisportler reist er rund um die Welt, als Student drückt er die Bänke an der JKU. Florian Schnetzer ist Beachvolleyballer, darin mit seinem Partner Peter Eglseer amtierender Staatsmeister und Universitäts-Europameister. Auf der World Tour spielt er bei Turnieren in China, Brasilien und Co Woche für Woche gegen die Weltelite. An der JKU studiert er Wirtschaftswissenschaften um sich neben dem Sport ein zweites Standbein aufzubauen. Im Gespräch erzählt er über die Vereinbarkeit von Studium und Sportkarriere, seiner Passion dem Beachvolleyball und dem Zusammenhang zwischen sportlichem und beruflichem Erfolg.

Florian, du bist seit einigen Jahren nun auf der World Tour im Beachvolleyball unterwegs. Wie kamst du anfangs zu diesem Sport?

Ich war von früh an sehr sportlich und vor allem Ballsportarten haben es mir sehr angetan. Angefangen habe ich aber mit Fußball. Als ich 13 war kam ich dann zum Beachvolleyball. Anfangs spielte ich lediglich mit Freunden hobbymäßig auf einem öffentlichen Platz. Schnell bemerkte ich, dass mir dieser Sport so richtig taugt und ich Talent habe, also begann ich mit dem Hallenvolleyball. Später dann kam ich wieder zurück zum Beach, wo jetzt auch mein Fokus liegt. In der Halle spiele ich trotzdem noch für Salzburg in der Bundesliga.

Wie viel trainierst du in der Woche um auf dem Weltklasseniveau mithalten zu können?

Wir trainieren zwei Mal am Tag jeweils zwei Stunden. Das sind dann 20 Stunden pro Woche. Hinzu kommen am Wochenende Spiele und Turniere. Bei den 20 Stunden sind Regenerationstrainings wie Massagen, Stabilitätstrainings und Physiotherapie noch nicht eingerechnet. Auch müssen wir uns als Sportler vermarkten. Das heißt Sponsoren akquirieren, Termine wahrnehmen, Verhandlungen führen, Öffentlichkeitsarbeit tätigen. Alles in allem kommt man da schon auf eine voll ausgelastete Woche. Dem Gerücht, dass man als Profisportler sehr viel Freizeit hat, kann ich also widersprechen.

Wie finanziert sich der Sport bei dir?

Nun, in Österreich ist es so, dass die besten beiden Teams (Anm.: die Olympiateilnehmer Doppler/Horst und Huber/Seidl) vom Verband gesponsert werden. Die anderen Teams, wie auch wir, sehen von diesen Förderungen allerdings nichts. Es ist tatsächlich nicht leicht sich das Leben auf der World Tour zu finanzieren – mit 40.000€ muss man da mindestens rechnen. Das brauchen wir für Reisen, Ausrüstung, etc. Auch müssen wir uns den Trainer, sowie die Therapien alle selbst zahlen. Finanziell lukrativ ist der Sport sicher nicht, die Preisgelder belaufen sich auf ein paar hundert Euro. Die Sponsoren helfen einem beim Überleben, auch das Spiel in der Halle bringt etwas Geld ein.

Selbst habe ich nie etwas geschenkt bekommen und wollte immer unbedingt gewinnen.

Wie kam deine Entwicklung zum Leistungssportler?

Sport war immer ein wichtiger Faktor in meinem Leben. Früher hat man mich fast nie ohne Ball gesehen. Mein Vater war in der Kindheit sicher ein großer Einfluss. Er war selbst ein leidenschaftlicher Sportler und lehrte mir immer wieder, wie wichtig es ist hart zu arbeiten für etwas, das man wirklich will.  Ich zitiere da gerne Dirk Nowitzki, der sagt: “80% des Erfolgs sind harte Arbeit, der Rest sind je 10% Talent und Glück.“ Hinzu kommt die mentale Komponente. Diese ist vor allem im Beachvolleyball eine ganz wichtige und wird oft unterschätzt. Oft sind es Nuancen, welche zwischen Sieg und Niederlage liegen.

Welcher bisherige Erfolg hat für dich den höchsten Stellenwert?

Das ist definitiv der Staatsmeistertitel in diesem Jahr. Es war großartig, in meiner Heimat, in Litzlberg diesen Triumph einzufahren. Beide Olympiateams hinter uns zu lassen war unglaublich. Außerdem waren alle Freunde, die ganze Familie und viele Bekannte anwesend und wir spielten echt tollen Beachvolleyball.
Weiters konnten wir heuer Universitäts- Europameister, sowie Mitteleuropäischer Meister werden. Diese Turniere sind in etwa mit der European Tour vergleichbar, es waren einige Top-Teams anwesend. Zusammenfassend war 2016 sicher die beste Saison meiner Karriere.

Auf der Tour bist du mit deinem Partner Peter Eglseer unterwegs und trainierst tagtäglich mit ihm. Wie funktioniert die Beziehung zwischen euch beiden privat und sportlich?

Die gute Beziehung mit Peter ist einer der Hauptgründe für unsere Erfolge. Mit dem Beach-Partner verbringt man so viel Zeit, viel mehr als mit der eigenen Partnerin. Da ist es immens wichtig, sich nicht nur auf dem Platz zu verstehen. Ich kann mit ihm über alles reden, Privates, Probleme, Dinge außerhalb des Beachvolleyballs. Auch reden wir oft über die Uni, er ist ja wie ich Student in Linz. Das bringt enorm viel Ablenkung. Sportlich ist vor allem das gemeinsame Spielverständnis wichtig. Wir kennen uns am Platz und wissen genau, welche Stärken und Schwächen der Partner hat. Er ist echt eine tolle Person und ein guter Freund.

Generell ist das Schwierigste die Konzentration auf die Uni zu bewahren, wenn man körperlich erschöpft ist. Nach den vielen Trainings und Spielen ist das oft gar nicht so leicht und man will sich viel eher erholen, als noch zu lernen.

Neben deiner Haupttätigkeit als Leistungssportler bist du Student der Wirtschaftswissenschaften an der JKU. Wie organisiert man sich, wenn man Leistungssport und Studium vereinbaren will?

Am Anfang war es echt hart, alles unter einen Hut zu bringen. Mit der Anwesenheit bei den Kursen sieht es bei mir ja sehr mager aus. Ich versuche aber dennoch so viel Zeit wie möglich an der JKU zu sein, auch weil ich den Campus sehr mag. Seit kurzem bin ich bei einem Kader-Programm dabei, da gibt es auch bessere Koordination mit den Professoren und der Uni an sich. Ich möchte da auch einen großen Dank an alle Professoren ausrichten, welche mir eigene Prüfungstermine anbieten und bei Anwesenheitspflichten oft mal ein Auge zudrücken.
Generell ist das Schwierigste die Konzentration auf die Uni zu bewahren, wenn man körperlich erschöpft ist. Nach den vielen Trainings und Spielen ist das oft gar nicht so leicht und man will sich viel eher erholen, als noch zu lernen. Student zu sein stärkt mich aber. Für mich ist es ganz essentiell, ein Standbein für die Karriere nach dem Sport zu haben, mein WIWI-Studium hilft mir dabei.

Hatte die Sportkarriere einen Einfluss auf deine Studienwahl?

Nein gar nicht. Ich studiere WIWI aus Interesse und nicht aus zeitlichem Grund. Ich bin nicht der Student, der studiert um später einen möglichst lukrativen Beruf zu bekommen, sondern studiere aus Interesse. Generell lerne ich auch auf der Tour extrem viel für Studium und Beruf. Durch die vielen internationalen Freunde und Reisen hatte ich so gut wie nie ein Problem mit meinem Englisch. Verhandlungen mit Sponsoren, öffentliche Auftritte und Interviews stärken meine Persönlichkeit extrem. Man lernt viel als Profisportler.

Inwiefern ist für dich das Studium hinsichtlich Leistungsdruck, Stresssituationen, Vorbereitung, etc. mit Spitzensport zu vergleichen?

Die beiden Dinge sind sehr vergleichbar. Das Lernen ist wie das Training und eine Klausur wie ein Wettbewerb. Die Vorbereitung ist wichtig und intensiv, auf den Punkt muss man konzentriert und fokussiert sein. Aber genau das liebe ich an Sport und Studium. Großen Druck zu haben bedeutet für mich Erfüllung. Mit Drucksituationen umgehen zu können lernt man bei beidem. Anstrengend ist auch beides – beim Sport steht das Körperliche im Vordergrund, auf der Uni das Psychische. Will man erfolgreich sein, ist es ohnehin unabdingbar, mit Druck umgehen zu können.

Wie wichtig ist es für dich, dir neben dem Sport mit dem Studium ein zweites Standbein aufzubauen?

Das ist für mich extrem wichtig. Es geht so schnell, eine schwere Verletzung und die Sportkarriere ist vorbei. Das Studium gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Abwechslung. Ich will nicht so wie viele meiner Kollegen nur pro forma inskribiert sein, sondern dabei auch vorwärtskommen. Das schaffe ich derzeit ganz gut und mache nunmehr fast ausschließlich Master-Kurse.

„ich kann zwar gut Bälle übers Netz hauen, aber I bin für eich da Flo“

Du hast letztes Jahr das Projekt always believe ins Leben gerufen, um krebskranke Kinder zu unterstützen und warst dadurch unter anderem für den Award Sportler mit Herz nominiert. Worum geht es da genau und wie kam es zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit?

Die Entwicklung kam in den letzten Jahren vor allem durch die vielen Reisen, die ich tätigte. Mir wurde klar, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir gesund sind und es uns gut geht. Krebs ist in unseren Kreisen ständig präsent, daher habe ich mich entschlossen, mich für diese Erkrankung einzusetzen. Im Projekt „always believe“ sammle ich Spenden für krebskranke Kinder und veranstalte Beachvolleyball-Workshops für Patienten in der Nachbetreuung, um ihnen Spaß am Leben zurück zu geben. Dass das Projekt so gut ankommt erfüllt mich persönlich mit Stolz. Bei den Geschichten, die ich von den Kindern erfahre, merke ich erst, dass es wichtigeres im Leben gibt, als Erfolg zu haben. Ich bin froh, gesund zu sein und Sport ausüben zu dürfen. Mir ist es auch wichtig, respektvoll mit den Kindern umzugehen, ich sage zu ihnen immer „ich kann zwar gut Bälle übers Netz hauen, aber I bin für eich da Flo“. Wenn die Kinder dann lachen, weiß ich, dass ich das Richtige mache.