Estudiar y vivir en Lima, Peru - Studieren und Leben in Lima, Peru

Letztes Wintersemester (2016/17) verbrachte ich, Nora Koblinger, in Peru, tauschte Linz gegen Lima und die JKU gegen die Pontificia Universidad Católica del Perú (PUCP), eine renommierte Privatuniversität in Lateinamerika. Ich kann es allen nur anraten, ebenfalls diesen Schritt zu wagen!

Linz und die JKU kennen wir ja alle. Lima scheint auf den ersten Blick in seinen eigenen Abgasen zu ersticken, der Verkehr ist im wahrsten Sinne des Wortes „loco“ (verrückt), laut (die AutofahrerInnen hupen statt zu bremsen) und absolut gefährlich für RadfahrerInnen. Generell läuft in Peru noch immer einiges schief. Ich lebte in einem sicheren Viertel in Lima, doch das ist aufgrund der Sicherheitsprobleme (dabei ist ausgeraubt zu werden noch das kleinste Übel) nicht allen EinwohnerInnen garantiert. Es existiert eine riesige Schere zwischen Arm und Reich und es gibt keinen Sinn für Umweltfreundlichkeit. Außerdem sind Frauen noch immer bedauerlicherweise viel zu oft Opfer von Gewalt und Diskriminierung, wogegen sich die „Ni una menos“-Bewegung (nicht eine weniger) in ganz Lateinamerika auflehnt und auch während meines Aufenthaltes eine Großdemostation mit 150.000 TeilnehmerInnen veranstaltete.

Doch wenn man einen zweiten Blick auf Lima wirft, entdeckt man auch die schönen Seiten. Es gibt eine Menge Museen und Ruinen der UreinwohnerInnen zu entdecken. Die Stadt am Meer ist ein Surferparadies, es regnet so gut wie nie und ich kann jedem nur raten ein typisches Menü bestehend aus Ceviche (roher Fisch), Aji de Gallina (pikantes Hühnchen) und Picarones (peruanische Süßkartoffeldonuts) zu probieren. Man lernt eine neue Kultur, neue Denkweisen kennen, die sich von den europäischen unterscheiden.

Eine für mich weitere schöne Seite in Lima ist die PUCP. Sie ist ebenfalls eine Campusuniversität, doch anders als an der JKU ist sie von einer hohen Mauer umgeben und man kommt nur an bestimmten Eingängen an Securities vorbei hinein. Am Campus selbst fühlte ich mich plötzlich nicht mehr wie in Lima. Es gibt grüne Rasenflächen, man hört den Verkehr kaum, der Müll wird getrennt (was man nicht einmal überall hier an der JKU machen kann!). Am Campus, der aufgrund der Gepflegtheit wie ein Garten erscheint, gibt es auch ein Rehgehege. Die Vorlesungen an meiner Universität waren alle auf Spanisch, trotzdem konnte ich gut folgen, wenn ich Probleme hatte, war nachfragen auch kein Problem. Die ProfessorInnen waren eher wie MentorInnen und nahmen sich bei jeder Frage genügend Zeit. Das Verhältnis war sehr persönlich, vor allem in den kleineren Kursen. Mein persönliches Highlight an der Uni war jedoch das Fruchtgeschäft, in dem man sich Milkshakes und Smoothies aus frischen, exotischen Früchten (Mango, Papaya, Lucuma, Chirimoya,…) kaufen konnte.

Mathematik wird in Peru leider eher klein geschrieben, Berichten zufolge kennen sich die meisten Lehrenden in den Schulen selbst nicht aus. Das spiegelt sich auch an der Universität mit einer niedrigen Studierendenzahl wieder: insgesamt etwa 20 Bachelorstudenten und eine -Studentin. Im Master, der an der PUCP meist berufsbegleitend ist, sieht das etwas anders aus, aber auf mehr 60 Studierende kommen sie nicht. Dafür sind die ProfessorInnen umso bemühter und die besten MathematikerInnen aus Peru haben bestimmt einmal die PUCP besucht. Der Bachelor dauert fünf Jahre, wobei man schon mit 17 beginnt. Danach kann noch ein zweijähriger Master folgen, es wird einer in Wirtschaftsmathematik (~ Industriemathematik) und einer in allgemeine Mathematik (~ Mathematik in den Naturwissenschaften) angeboten.

Aber an der PUCP kann man nicht nur studieren. Ich verbrachte gern meine Tage dort um Sonne zu tanken und in der Wiese zu liegen. Die Mensamenüs kosten weniger als 2€ und es sind meist typisch Gerichte. Oftmals waren kleine Märkte aufgebaut, es gab beispielweise eine Büchermesse und einen Markt von kleinen, originellen Geschäften aus Lima. Donnerstags gab es immer den „Día Cultural“, es spielten verschiedenste Bands und es gab unterhaltsame Vorführungen.

Auch sportliche Aktivitäten gibt es genügend am Campusgelände, eine Sporthalle, ein Fitnesscenter, einige Hartplätze und Fußballfelder. Jeder kann bei den verschiedenen Sportarten mitmachen und somit auch an den nationalen Universitätswettkämpfen. Außerdem kommt man durch diese Sportkurse näher in Verbindung mit PeruanerInnen. Die Universität bietet jeden Freitagabend einen Salsatanzkurs für alle Studierenden an, denn wenn man schon in Lateinamerika ist, dann muss man auch zumindest den Grundschritt beherrschen!

Zur Uni fuhr ich immer mit dem Bus, meist gemeinsam mit anderen Austauschstudierenden aus meinem Haus. Wir lebten zu zwölft zusammen, kochten, feierten, reisten und lernten gemeinsam. In diesem halben Jahr waren sie meine Familie, mit der ich durch dick und dünn ging und trotz der mancher Sprachbarriere schweißte uns dieses Semester zusammen.

Lima als Ausgangspunkt für das Bereisen von Peru

Mit meinen FreundInnen aus der ganzen Welt erkundete ich das südamerikanische Land. Die Strecken darf man nicht unterschätzen. Acht Stunden im Bus über Nacht sind „nahe“. Wenn man jedoch diese Strapazen auf sich nimmt, kann man Wunderbares entdecken. Die vielfältige Natur in Peru lässt einen nur staunen: von weißen Stränden im Westen über die Anden mit Gipfeln über 5000 Meter zum Amazonasgebiet im Osten. Außerdem verstecken sich, neben den Highlights Machu Picchu und Titicacasee, viele kleine, touristisch weniger erschlossene Landschaften. In manchen Dörfern, in die man kommt, ist nicht nur für einen selbst alles neu. Auch man selbst ist neu für die BewohnerInnen, die etwas scheu, aber doch neugierig sind. Viele in diesen kleinen Dörfern haben vermutlich noch nie weiße, blonde Personen gesehen. Das gegenseitige Kennenlernen macht  Spaß und man lernt viel über sich selbst sowie das Gegenüber. Die Leute nehmen einen mit Freude auf, man kann an typischen Feiern teilnehmen, wird dabei eingeladen, im Kuhstall mitzutanzen und Bier zu trinken. An anderen Orten wird man spontan zu einem Abendessen mit Pisco Sour eingeladen.

Kein Vergleich mit zuhause, mit dem Gewohnten. Aber man fährt nicht woanders hin, um es genauso zu haben, wie es zuhause schon ist. Man fährt woanders hin, um neue Erfahrungen zu machen! Und in meinem Auslandssemester machte ich unglaublich viele neue persönliche und universitäre Erkenntnisse.

Ich kann jedem/jeder nur empfehlen, selbst ein Semester im Ausland zu machen.
Man wird bestimmt auch auf der anderen Seite der Erde auf ein nettes Lächeln von hilfsbereiten, zufriedenen Leuten stoßen!