"Ein mehr an technischer Ausbildung ist wünschenswert"

Weltmarktführer Rosenbauer im Fokus

 

Die Rosenbauer AG mit Sitz in Leonding ist bereits seit Jahrzehnten Weltmarktführer in der Herstellung von Feuerwehrfahrzeugen und Feuerwehrzubehör. Die Oberösterreicher beschäftigen 3300 Mitarbeiter weltweit, 1000 davon alleine in Leonding - Tendenz steigend. Damit ist die Aktiengesellschaft einer der zahlreichen Wirtschaftsmotoren im Großraum Linz. Damit dies so bleibt wurde erst 2014 das neue Werk in Leonding eröffnet. Grund genug, um den Feuerwehrfahrzeughersteller und CEO Dr. Dieter Siegel vorzustellen.

 

Von Handspritzen zum Millionenunternehmen

Bereits 1866 wurde das Unternehmen in der Linzer Spittelwiese gegründet. Damals war von Fahrzeugen noch keine Spur, es wurden bevorzugt primitive Handspritzen gehandelt. 1918 wurde das erste Feuerwehrfahrzeug gebaut. Heute, 100 Jahre später erwirtschaftet Rosenbauer jährlich fast 1 Milliarde Euro Umsatz. Nur 7% der Produkte werden in Österreich verkauft, Rosenbauer lebt von Exporten. Trotz leichten Verlusten im ersten Quartal 2017 entwickelt sich das Unternehmen stabil, heuer rechnet man mit einem ähnlichen Umsatzniveau wie im Vorjahr.

 

Zukunftsorientiert zum weltweiten Erfolg

Ihre globale Ausrichtung unterstreicht Rosenbauer mit Werken in Russland, Saudi-Arabien, Singapur, den USA und Europa. Fahrzeuge von Rosenbauer stehen in über 150 Ländern der Welt. Dass das jüngste Werk aber in Leonding eröffnet wurde zeigt die Verbundenheit zum österreichischen Standort. Von den amerikanischen und japanischen Konkurrenten hebt man sich durch Zukunftsorientierung und Kompatibilität ab. „Bei uns wird jedes Fahrzeug individuell hergestellt. Der Kunde bekommt genau was er benötigt“, heißt es seitens des Unternehmens. Die Industrie 4.0 spielt auch bei Rosenbauer eine große Rolle - Ziel ist es, sich ständig den Rahmenbedingen von außen anzupassen. Man sieht sich selbst als Partner der Feuerwehr - Kundennähe und Effizienz sind die obersten Unternehmensziele.

 

Diese Ziele verfolgt man seit 2014 mit dem neuen CEO Dr. Dieter Siegel. Wir haben uns mit Herrn Siegel getroffen und unterhielten uns über die Universität Linz, den Standort Oberösterreich und seine persönlichen Erfahrungen am Weg zum Vorstandsvorsitzenden eines globalen Wirtschaftstreibers.

 

 

CEO Dieter Siegel über…

 

…die Universität Linz:

 

Wie profitiert Rosenbauer von der JKU als größte Bildungseinrichtung des Landes?
Natürlich profitiert Rosenbauer durch das Vorhandensein der JKU, allerdings nur im Rahmen der angebotenen und für uns relevanten Studienrichtungen. Was fehlt sind technische Studienrichtungen. Da sind wir nach wie vor auf die Absolventen von technischen Unis angewiesen. In der Praxis ergibt sich aber das Problem, dass auch oberösterreichische Studierende auf Grund der langen Studiendauer oft in Wien und Graz „hängen bleiben“ und damit für die oberösterreichische Industrie verloren sind.

 

Was erwarten Sie sich als Unternehmer von den Abgängern einer Universität?
Ein mehr an Ausbildung in technischen Dingen ist für die Industrie immer wünschenswert. Durch die FHs in OÖ wird dieser Bedarf teilweise abgedeckt, Uniabsolventen fehlen aber.

 

Von vielen Technologiefirmen steht die Forderung nach mehr technischer Lehre in der Grundausbildung der Schüler im Raum. Wie stehen Sie dazu und was sind ihre konkreten Forderungen an die Bildung in Zeiten der Digitalisierung?
Was man sich von Uniabsolventen in erster Linie erwarten sollte, sind tiefgehendes Fachwissen und ausreichende soziale Kompetenzen, um im Arbeitsalltag bestehen zu können.

 

 

Wie werden neue Technologien, wie automotives Fahren oder Elektroautos im Bereich der Feuerwehren einziehen? Rosenbauer hat im Rahmen des 150 Jahr Jubiläums ein völlig neues Konzept vorgestellt – den CFT – Conzept Fire Truck. Der CFT ist ein Vorgeschmack auf das Feuerwehfahrzeug der Zukunft. Die Entwicklungsingenieure legten ihr Augenmerk gezielt auf die Fahrzeugarchitektur, die herauskommt, wenn man die zukünftigen Anforderungen an die Feuerwehren konsequent und ohne Abstriche in der Fahrzeugentwicklung berücksichtigt. Das Ergebnis ist ein überaus kompaktes und wendiges Einsatzfahrzeug in hoch funktionalem Design, das vor allem in seiner Ergonomie völlig neue Akzente setzt.

 

 

…den Wirtschaftsstandort Oberösterreich:

Wie sehen sie die wirtschaftliche und technologische Stellung des Landes Oberösterreich und dem Bund Österreich? Welche Impulse seitens der Politik braucht es, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region zu gewährleisten?

Oberösterreich hat hervorragende Arbeitskräfte, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass Rosenbauer heute ‎Weltmarktführer ist. Doch auch die beste Arbeit muss leistbar bleiben für unsere Kunden in aller Welt. Überregulierung und unflexible Arbeitszeiten schaden denen am meisten, die die Arbeit leisten.

 

Warum entschied man sich vor einigen Jahren ein Werk in Leonding zu bauen, anstatt Angebote aus dem Ausland anzunehmen?

Das Werk II Leonding brachte eine rund 60-prozentige Vergrößerung der Produktionsflächen am Standort Leonding. Außerdem wurden die Montagen der AT- und PANTHER-Baureihe komplett neu ausgerichtet. Der intensive Wettbewerbsdruck erfordert technische Lösungen, mit denen Feuerwehrfahrzeuge schneller und in bester Qualität erzeugt werden können. Mit diesem hochmodernen Werk haben wir die Weichen für unser weiterhin erfolgreiches Wirtschaften in einem stark umkämpften internationalen Feuerwehrmarkt gestellt.

 

…sich selbst

Inwiefern hatten Sie vor Ihrem Eintritt in Rosenbauer Bezug zu Feuerwehren?
Ich war nie bei einer freiwilligen Feuerwehr, aber absolvierte meinen Grundwehrdienst in der ABC Abwehrschule in Wien. Ich kann zumindest eine Tragkraftspritze bedienen und mit schwerem Atemschutz umgehen.

Wie wichtig war Ihnen die Karriere schon zu Studienzeit?
Nicht besonders wichtig

Gibt es Entscheidungen in Ihrer Laufbahn, die Sie im Nachhinein bereuen?
Nein, was nicht heißt, dass immer jede Entscheidung die Beste war. Aber man muss ja auch etwas lernen im Leben und dafür sind Fehler ja bekanntlich gut geeignet.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sich selbst herauszufordern und durchzuhalten

Was zeichnet Ihrer Meinung nach eine erfolgreiche Führungsperson aus?
Dass ihr Unternehmen nachhaltig erfolgreich ist. Am Schluss zählt das Resultat. Die Wege dorthin können vielfältig sein.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich versuche bewusst, Tempowechsel einzubauen.

Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit am meisten?
Dass meine Mitarbeiter stolz auf ihr Unternehmen sind. Das soll auch so bleiben.

Wie viel Zeit für die Familie bleibt als Vorstandsvorsitzender eines internationalen Großunternehmens?
Die knappe Ressource sind weniger die Stunden als vielmehr die Energie. Da gibt die Familie auch viel zurück.