Efgani Dönmez: Querdenker und Kämpfer gegen den politischen Islam

„Es braucht ein offenes Österreich auf dem Fundament der Werte“

 

Efgani Dönmez war schon immer ein politischer Querdenker. Bereits in seiner Zeit als Bundesrat der Grünen erregte er durch mutige Aussagen gegen die eigene Parteilinie Aufsehen. Der Sozialarbeiter tritt nun für die Liste von Sebastian Kurz bei der Nationalratswahl an. Im persönlichen Gespräch erzählt der Politiker von den Folgen des politischen Islams, dem Thema Bildung und der prekären Situation in der Türkei.

Toleranz mit klaren Grenzen

Für Dönmez ist das Plädoyer klargestellt: Er stehe für ein offenes Österreich, dieses sollte aber auf einem klaren Fundament der Werte und Haltungen gebaut sein. Unsere Grundrechte und der Wohlstand seien nicht selbstverständlich, sondern jahrhundertelang erkämpft. Den Rechtsstaat müsse man also mit allen möglichen Mitteln verteidigen. Die Demokratie, die Gleichstellung von Mann und Frau, sowie den Laizismus seien in den Grundwerten der politisch islamischen Trägervereine nicht gegeben. „Einige dieser Vereine seien in der Türkei verboten, in Wien leiten sie Kindergärten und beeinflussen somit unsere Kinder“, gibt sich Dönmez kritisch.

Differenzierte Sichtweisen in Migrationsfragen

Was die Migration betrifft wünscht sich Dönmez eine differenzierte Sichtweise, allgemein müsse aber der Ton verschärft werden. „Manche Personen kann man in einem mitteleuropäischen Land einfach nicht integrieren“, meint er und deutet dabei auf die politisch motivierten Salafisten, die sich unter den Migranten befinden. Für Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt sind, müsse man allerdings die nötigen, menschenwürdigen Rahmenbedingen schaffen, sodass sich diese effizient integrieren können. Er selbst habe sich um die Jahrtausendwende aktiv für die Menschlichkeit von damaligen Flüchtlingslagern eingesetzt.

Es geht um Lösungen

Auf die Frage, ob es denn unüblich sei, von einer klar linken Partei zur Liste Kurz zu wechseln gibt sich Dönmez pragmatisch. Er habe seine Haltungen nie geändert, nur die Weggefährten sind jetzt neu. Er wolle für das Gemeinwohl der Österreicher einstehen, dabei geht es nicht um Parteien. Richtungszuweisung seien sowieso immer sehr relativ. Von Sebastian Kurz und seiner Politik ist er vollauf überzeugt, darum unterstütze er ihn auch.

„Extremistische Haltungen jeglicher Art stellen eine Gefahr dar“

Bürgerinitiative gegen politischen Islam

Dönmez meint es mit dem Kampf gegen den politischen Islam ernst. So rief er im Juli dieses Jahres die europäische Bürgerinitiative „Stop Extremism“ ins Leben, für die er nun als Vorsitzender des Unterstützungskomitees tätig ist. Bei der Bürgerinitiative handelt es sich um einen 6-Punkte Plan mit Forderungen an das europäische Parlament, Ziel sind eine Million Unterschriften binnen einem Jahr. Im ersten Punkt solle man eine klare Definition von Extremismus schaffen. Dabei ist nicht nur der islamistische Extremismus gemeint, „Extremistische Haltungen jeglicher Art stellen eine Gefahr für die Gesellschaft dar“, so Dönmez. Als Beispiel nennt er die Schandtaten der idiotischen Demonstranten, die während des G20 Gipfels in Hamburg ganze Stadtteile verwüsteten. In einem weiteren Punkt fordert die Bürgerinitiative erweiterte Rechte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Bezug auf Extremismus. „Für Arbeitnehmer muss es schneller und leichter möglich sein, den Arbeitnehmer zu kündigen, falls dieser extremistisch agiert.“ Selbiges soll für Arbeitgeber gelten. Ein dritter großer Punkt ist die Eindämmung von Auslandsfinanzierungen. Dazu brauche es eine Erweiterung der Impressumspflicht und Offenlegungspflicht. Zudem müssten die Sanktionen verschärft werden. Anhand der zahlreichen verlorenen Menschenleben sehe man, dass Extremismus alles andere als ein Kavalierdelikt sei.

„Die Türkei hat ihre Rechtsstaatlichkeit verloren“

Politischer Islam Islam

Die Abgrenzung des Islams zum politischen Islam müsse klarer hervorgehoben werden. Der Islam ist in seinen Grundwerten sogar sehr humanistisch angelegt. Die Salafisten aber würden die Religion und den Koran komplett falsch interpretieren. „Die Behauptung, dass der Koran zu Gewalt aufrufe ist schlichtweg falsch“, so Dönmez. Zurzeit ist der politische Islam am Vormarsch, vor allem die Türkei leidet darunter. Die Türkei mache derzeit einen Rückschritt: „Sie hat ihre Rechtsstaatlichkeit verloren. Kein anderes Land hat so viele Journalisten in Haft.“ Unter den derzeitigen Umständen sieht Dönmez keine Chance, dass das Land der Europäischen Union beitreten kann. Allerdings habe die Türkei durch den eingegangenen Flüchtlingspakt große Macht gegenüber die EU, daran sei man selbst Mitschuld.

Für Unterstützer des Präsidenten Erdogans sieht Dönmez zudem keine Zukunft in Europa und Österreich. „Wer für Erdogan in den Krieg ziehen will, soll das machen. Aber in Österreich kann es für diese Menschen keine Zukunft geben“, schärft Dönmez nach.

Bildung ist das höchste Gut

Um dem Extremismus vorzubeugen nimmt Dönmez die Bildungseinrichtungen in die Pflicht. Am wichtigsten für alle Menschen sei ohnehin eine gute Ausbildung. In seinem Zivilberuf als Mediator kämen nicht selten junge Menschen zu ihm. Sein Rat an alle: „Macht eine gute Ausbildung und am besten gleich mehrere.“ Das sei die beste Methode um sich vor Arbeitslosigkeit und sozialer Abspaltung zu schützen. Dazu komme, danach zu suchen was einem Spaß macht. Wer für seinen Job brenne, führe ihn automatisch besser aus. Für nach Österreich gekommene Flüchtlinge sei es unabdingbar die Sprache zu lernen. Es kämen viele junge Menschen nach Österreich die enormes Potenzial haben. Um dieses aber auszuschöpfen müssen sie die deutsche Sprache lernen. In Migrationsfragen sieht Dönmez auch die Bevölkerung in der Pflicht. Man müsse die Leute, die integriert werden wollen aufnehmen und in unser Leben einbauen. „Nur so können alle davon profitieren.“

„Bedrohungen bestärken mich in meinen Haltungen“

Dass Dönmez als Kämpfer gegen den politischen Islam sehr viel Kritik einstecken muss, beirre ihn nicht. Als Politiker lerne er ohnehin, mit Kritik umzugehen. Er selbst stehe zu 100 Prozent hinter seinen Ansichten und lasse sich nicht vom Weg abbringen. Wenn man heikle Themen anspricht, gäbe es auch immer Diffamierung und persönlichen Hass. Zum Schutz seiner Familie habe er aber schon längst die notwendigen Vorkehrungen getroffen – bei öffentlichen Auftritten habe er Polizeischutz. Doch Drohungen machen ihn keinesfalls mundtot, sondern bestärken ihn viel mehr in seinen Haltungen: „Diese Geisteskinder sind bei mir an der falschen Adresse! Sie zeigen mir lediglich, dass ich mich am richtigen Weg befinde.“

 

Efgani im Wordrap

 

Politik

Gestalten & Verantwortung übernehmen

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Muss verteidigt werden

Islam

Die humanistischen Aspekte gehören wieder in den Vordergrund

JKU

Selbst dort studiert

Bildung

Sozialer Aufstieg erfolgt primär über Bildung

Sebastian Kurz

Mutig & Österreich braucht etwas Neues

Salafismus

Eine unterschätzte Gefahr für unsere offene Gesellschaft

 

 

Zur Person

Efgani Dönmez wurde in der Türkei geboren und kam mit seiner Familie früh nach Österreich. Später besuchte er in Pinsdorf (Bezirk Gmunden) die Schule und absolvierte eine Ausbildung zum Installateur. Nach einigen Berufsjahren studierte er über den Bildungsweg Soziale Arbeit und später Konfliktmanagement und Mediation an der JKU. Nachdem er sich im Jahr 1999 ehrenamtlich als Flüchtlingsbeauftragter gegen die prekären Zustände in den Abläufen einsetzte, trat er 2000 den Grünen bei. Von 2008-2015 war er Bundesrat der Grünen. Anfang dieses Jahres, als immer mehr Unruhen unter den Grünen bekannt wurden, distanzierte sich Dönmez von der Partei. Als Grund nennt er heute die ideologischen Haltungen, die manche Grüne im Bereich der Flüchtlingspolitik besäßen. Diese bekräftigte sich, als er zusammen mit dem Chef der Identitären Österreich eine Flüchtlingsunterkunft besuchen wollte, was ihm aber vom Landesvorstand untersagt wurde. Nachdem sein Austritt bei den Grünen besiegelt war, gab er bekannt für Sebastian Kurz bei den Nationalratswahlen anzutreten. Seit 2006 ist Dönmez Lektor an der Fachhochschule für Soziale Arbeit, außerdem ist er als Unternehmensberater und Mediator tätig.

Stop Extremism

Infos unter www.stopextremism.eu oder www.facebook.com/StopExtremismEU