Ankunft der Mediziner in Linz

Anfang Oktober war es soweit und die ersten Medizinstudenten sind in Linz angekommen. Nachdem die ersten 2 Jahre der medizinischen Ausbildung in Graz erfolgreich abgeschlossen wurden, dürfen nun also rund 50 Studierende diese in Linz fortführen.

Mit einem feierlichen Festakt wurde Ende September das Lehrzentrum in der Huemerstraße, unweit des Kepler Klinikums eröffnet. Der Rektor sprach dabei von einem großen Tag in der Geschichte der JKU. Es sei dem Engagement Vieler zu verdanken, dass dieses große Projekt in sehr sportlicher Zeit umgesetzt werden konnte. Landeshauptmann Pühringer betonte die Entschlossenheit von Stadt und Land, die in der Verwirklichung des Projekts benötigt wurde. Das große Interesse von außerhalb zeige die Wichtigkeit der Medizinuniversität in Linz.

Positive Rückmeldungen

Für die Dekanin der medizinischen Fakultät, Petra Apfalter, ist der Start äußerst positiv verlaufen. „Man kann die positive Stimmung und die Vorfreude der Studierenden auf Linz richtig spüren“, so Apfalter. Die Kooperation mit Graz habe toll funktioniert und die Studierenden kämen gut ausgebildet nach Linz, meint die Vizerektorin für Medizin weiter. Jedoch sei es nun entscheidend, der medizinischen Ausbildung auch eine Linzer Handschrift zu vermitteln. „Der Aufbau des Studiums ist etwas anders als in Graz. Ich denke, dass wir hier auf einer modernen Schiene sehr gut unterwegs sind.“, so die Dekanin. Mit dem Studium will man den Studierenden in erster Linie das Rüstzeug für medizinische Tätigkeiten vermitteln. Diese sollen aber auch aus der Praxis lernen und so Lebenserfahrung sammeln. Eine spezielle Rolle haben dabei die Professoren und Lehrenden, welche einen durchwegs motivierten und positiven Eindruck vermitteln.

Der Stand im Kepler Klinikum

Für die Mitarbeiter des Kepler Klinikums hat sich seit der Umbenennung und dem Schaffen eines Campus nicht viel geändert. Dieser umfasst nun das ehemalige AKh Linz, die Lands- Frauen- und Kinderklinik, sowie das LNK Wagner Jauregg. Studenten waren dort schon immer präsent, mit dem feinen Unterschied, dass diese nun aus der eigenen Stadt und nicht aus Wien oder Innsbruck kommen. Die Hauptlast der Lehre erfolgt ohnehin weiterhin in den Hörsälen und Seminarräumen. Für die Wirtschaft sei aber das neue Universitätsklinikum sehr interessant. So will man in Linz vor allem die Zusammenarbeit mit der Technik forcieren. Laut Apfalter ist es für einen Wirtschaftsstandort wie Linz ohnehin unabdingbar, nicht im Besitz einer Medizinuni zu sein. Auch die Expansion der JKU südlich der Donau sei ein wichtiger Schritt in Richtung Studentenstadt.

Lehrräume im Life Science Park

Der sogenannte Life Science Park ist das derzeitige Zentrum der medizinischen Lehre in Linz. Das modernste Gebäude der JKU umfasst 2 große Seminarräume, welche als Hörsäle genutzt werden, sowie 2 Lernzonen. Weiters befinden sich dort spezielle Räume für problemorientiertes Lernen und Gruppenarbeiten. Zusätzlich sind Skills Labs eingerichtet, welche als praktische Übungsräume für die Medizinstudenten dienen. Die Räumlichkeiten sind in sterilem weiß und schwarz gehalten. Allgemein ist alles sehr neuartig und modern, jedoch auch minimalistisch eingerichtet. Weitere Räume befinden sich im Bau oder in Planung. „Alles in allem ist das eine interimistische aber sehr hochwertige Lösung für die ca. 50 Studierenden“, meint eine der 3 Mitarbeiterinnen vor Ort. Über den Ausbau und der Ankunft weiterer Studierender freut man sich dort schon: „Zurzeit ist alles noch sehr familiär und man muss manchmal auch Dinge erledigen, die eigentlich nicht im eigenen Aufgabenbereich sind“, meint die Prüfungskoordinatorin, „für das Wohl der Studierenden macht man das allerdings gerne.“ Lediglich über die Essensmöglichkeiten vor Ort ist man etwas gekränkt. Für die geringe Anzahl an Studierenden konnte sich kein Betreiber einer Cafeteria oder einer Mensa im Gebäude finden. Die Studenten können zwar das Mittagessen im Kepler Klinikum in Anspruch nehmen, für die Bediensteten bleibt dafür jedoch keine Zeit. Man denkt aber, dass sich dieses Problem mit einer fortschreitenden Anzahl an Studierenden lösen wird, gibt man sich optimistisch.

Das Studium

In der Einlaufphase der Medizinuniversität bleibt die Kooperation mit Graz bestehen. Ab dem Wintersemester 2018/19 sollen dann auch die ersten 4 Semester in Linz an der JKU absolviert werden. Der Vollausbau ist für 2021 geplant. Bis dahin steigen die Studierendenzahlen von Jahr zu Jahr. Waren es 2014 noch 60 Studierende, die mit dem Studium begannen, sind es heuer bereits 120, die das harte Aufnahmeverfahren erfolgreich absolvierten. Diese Zugangsbeschränkungen seien aber unerlässlich. „Das Medizinstudium ist im Vergleich sehr teuer. Auch ist die Motivation, den medizinischen Berufsweg zu wählen viel größer, wenn man zuvor ein Aufnahmeverfahren durchlaufen muss“, meint Apfalter.
Der Studienverlauf in Linz ist etwas anders, als an anderen Universitäten. Die Lehrinhalte werden in Modulen im Umfang von 2-4 Wochen erlernt. Dabei wird auf bestimmte Körpergebiete der Fokus gelegt. Wird zum Beispiel gerade der Lungenkreislauf erörtert, kommen dabei der Chirurg, der Radiologe und andere Lehrende gleichermaßen zum Einsatz. Am Ende eines jeden Moduls steht eine schriftliche Prüfung. Bei Nicht-Bestehen gibt es entsprechende Wiederholungsversuche. In der Prüfungswoche am Ende des Semesters werden dann alle behandelten Module in einer mündlichen Prüfung abgefragt. Zusätzlich zu den Modulen muss man in sogenannten Tracks mitarbeiten. Dabei werden praktische Fälle behandelt, wo von den Studierenden eine praktische Situation simuliert wird.

Die Studierenden

Unter den Studierenden freut man sich durchwegs, nun endlich in Linz zu sein. Zwar sei es schade, viele Freunde und ein gutes Netzwerk in Graz zurück zu lassen, die Freude und Spannung auf Linz überwiegt jedoch. Man ist positiv gestimmt, auch ob des herzlichen Empfangs in Oberösterreich. Das Privileg, der erste Jahrgang an der Linzer Medizinuni zu sein, erfüllt viele Studierende mit Stolz. Die Aufbruchsstimmung in Linz ist spürbar und alle Beteiligten zeigen sich sehr engagiert und motiviert. Auf die Frage, ob Graz oder Linz, ist der Tenor einheitlich: „Linz, weil ma do daham san!“