„Durchbeißen ja, aber nicht um jeden Preis!“

Univ.-Prof. Mag. Dr. Meinhard Lukas ist seit 2015 der Rektor der JKU. Wir haben uns mit ihm über Künstliche Intelligenz, die MED-Fakultät und Studienabbrecher unterhalten.

Was macht ein Rektor eigentlich? Was sind seine Aufgaben und wie darf man sich die Arbeit vorstellen?

Eine Universität zu führen ist grundsätzlich komplett anders, als etwa ein Unternehmen zu leiten. Die Organisationsstruktur einer Uni ist eine ganz eigene. Die Mitbestimmung der Studierenden, der Lehrenden und des Personals ist sehr stark ausgeprägt und als Rektor steht man koordinierend in der Mitte. Die Leitung einer Universität muss man sehr dialogisch angehen.

Die JKU ist im Vergleich zu anderen Universitäten mit ihren 51 Jahren doch relativ jung und eher klein. Was kann die JKU Studierenden im Vergleich zu anderen Universitäten bieten? Was macht gerade den Reiz der JKU aus?

Die JKU hat ein sehr spezielles Profil. Wir haben eine sehr stark ausgeprägte technische Fakultät. Dem gegenüber stehen die Fakultäten für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Medizin. Dadurch sind spannende Fächerkombinationen möglich. Unsere große Stärke ist, dass wir sehr breit aufgestellt sind und trotzdem die Ressourcen haben, individuelle Betreuung für alle Studierenden zu bieten. Das macht uns einzigartig.

Ein heißes Thema in der oberösterreichischen Bildungslandschaft, aber auch in den Nachbarbundesländern, ist die humanmedizinische Fakultät, die sich gerade im Aufbau befindet. Wie sieht die Vision hierfür aus? Wie darf man sich ein Medizinstudium in Linz vorstellen?

Beim Medizinstudium ist uns die Praxisorientierung sehr wichtig. Wir beziehen praktizierende Ärzte sehr stark in die Ausbildung ein. Besonders stark sind wir in der Medizintechnik. Das Credo lautet „Heilen durch Linzer Ingenieurskunst“.
Im vergangenen Jahr wurde ein Umbau und vor allem Ausbau der JKU eingeleitet. Was sind die größten Neuerungen, die damit verbunden sein sollen?
Sehr viel ist ja bereits passiert. Mit dem Teichwerk haben wir ein Lokal mitten am Campus geschaffen, in dem Gastro und Kultur Hand in Hand gehen. Ab Herbst sind die Hörsäle 2 und 7 komplett neu, und auch die WC-Anlagen in Mensakeller und Keplergebäude sind saniert.
Im Laufe der nächsten 2 Jahre kommt mit der Kepler Hall ein Veranstaltungszentrum mit integrierter Sporthalle dazu. Damit hat die JKU endlich eine Empfangsräumlichkeit. Die Bibliothek wird massiv aufgestockt und der Bib-Platz wird zum Hauptplatz der Uni. Der TNF-Turm wird auch aufgestockt und saniert. Auf das Dach kommt eine Aussichtsplattform und ein „Think Tank“. Großer Fokus liegt auch am Sport- und Freizeitangebot. Der Campus wird um einen Swimmingpool, einen Fußballplatz, einen Beachvolleyballplatz, Grillplätze und Raum für Urban Gardening erweitert. Ziel ist, dass der Campus nach den Vorlesungen ein attraktiver Freizeitort ist.

Ein Thema, mit dem die JKU gerade in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen gemacht hat, ist die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Wie ist da der Stand der Dinge, und wie hat die JKU es geschafft, in diesem Forschungsbereich an die Weltspitze zu kommen?

Wir haben mit Sepp Hochreiter einen exzellenten Professor für Bioinformatik. Künstliche Intelligenz stellt einen wesentlichen Schritt in eine digitale Zukunft dar. Systeme führen nicht mehr nur Befehle aus, sondern können sich selbst weiterentwickeln. Gerade bei der Spracherkennung und Bilderkennung gibt es unglaubliches Potential. Und momentan schaut die ganze Welt bei der Entwicklung der KI nach Linz. Gemeinsam mit Audi arbeiten wir gerade an einem Zentrum für Künstliche Intelligenz an der JKU.

Viele Studenten hinterfragen in den ersten zwei oder drei Semestern ihres Studiums, ob sie sich für den richtigen Studiengang inskribiert haben. Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoller „durchzubeißen“ und das Studium so schnell wie möglich abzuschließen, oder in einen anderen Studiengang zu wechseln?

Ein Studium ohne „Durchbeißen“ gibt es nicht. In jedem Studiengang muss man durch schwierige, lernintensive und anstrengende Phasen durch. Das liegt in der Natur der Sache. Die Frage, die sich alle Studierenden gerade am Anfang stellen sollten, ist: „Möchte ich mein Leben lang einer Tätigkeit in diesem Bereich nachgehen?“ Grundsätzlich gilt: Durchbeißen ja, aber nicht um jeden Preis. Es ist besser, ein Studium rechtzeitig zu beenden, wenn man merkt, dass die Neigung fehlt, als bis zum Schluss zu kämpfen und dann in ein Arbeitsfeld zu gehen, dass einen nicht interessiert.

Im Oktober kommen wieder zahlreiche Erstsemestrige an die JKU. Welche Ratschläge können Sie ihnen auf den Weg ins Studium mitgeben?

Seien Sie neugierig! Bilden Sie sich auch abseits ihres Studiums weiter! Lesen Sie die Zeitung! Beobachten Sie die Welt! Studieren Sie nicht mit Scheuklappen! Genießen Sie das soziale Leben an der Uni! Engagieren Sie sich in der ÖH und anderen Studentenorganisationen! Arbeiten Sie hart, aber genießen Sie auch Ihre Freizeit! Dafür bauen wir ja schließlich den Campus aus.