„Die Freiheit ist der kostbarste Teil des Menschen“

"Die Freiheit ist der kostbarste Teil des Menschen"

Wenn ich mir aus meiner Schulzeit eines gemerkt habe, dann ist es das obenstehende Zitat von Franz von Sales, welches in großen Lettern an der Wand des Turnsaales meiner Schule prangt. Aufgrund der Tatsache, dass es sowieso ständig da war, habe ich es nie großartig hinterfragt. „Freiheit ist wichtig – eh klar! Gut, dass wir sie haben.“ – Mit dem war das Gedankenspiel zu dem Thema eigentlich auch schon beendet.


Denke ich jetzt aber genauer über dieses Zitat nach, dann wird mir immer mehr bewusst, wie wenig meine Freiheit selbstverständlich ist. Den Begriff Freiheit dabei genau definieren zu wollen macht ihn ja an und für sich schon unfrei – daher wird wohl nur eine subjektive Definition völlig richtig sein können. Meine Freiheit ist es sein zu können wer ich bin oder wer ich sein will. Selbst entscheiden zu können, wie ich mein Leben führen will und dabei ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen kann. Doch auch die Freiheit meine Meinung sagen zu können, ein Recht auf Schutz vor Eingriffen in meine Privatsphäre und die Einstellungen eines „aufgeklärten Geistes“ gehören für mich dabei erwähnt. Verwirklicht wird diese Idee von Freiheit durch das Prinzip der Menschenrechte und eines demokratischen Rechtsstaates.

Doch bevor ich annehmen kann, dass andere meine Freiheit akzeptieren, muss ich feststellen, dass ich sie selbst sehr stiefmütterlich behandle. Mit einem „Ja muss halt so sein“ klicke ich im Google Play Store beim Herunterladen von Apps wie Whatsapp, Facebook oder der ÖBB Fahrplanapp auf „Akzeptieren“ und lasse somit massive Eingriffe in meine Privatsphäre zu. Demütig beuge ich mich vor diesen großen Konzernen und gebe ihnen bereitwillig sämtliche Informationen über mein Leben – kann das noch Freiheit sein?

In Anbetracht der Tatsache, dass über 2000 Jahre europäische Geschichte vergehen mussten, bis die Idee der Menschenrechte annähernd verankert werden konnte, nehmen wir Freiheit als etwas viel zu Selbstverständliches an. Auch die jüngere Geschichte lehrt uns, dass es immer wieder zu grausamen Rückfällen kommen kann. Und doch akzeptieren wir immer mehr und mehr Einschnitte in unsere Freiheit durch ein Messer, dessen Klinge sich Sicherheit nennt.

Freiheit kann auch Angst bereiten: Da nicht nur mir die Auswahl an Möglichkeiten offensteht, sondern auch meinem Gegenüber, kann ich ihn schlechter einschätzen und weiß nicht, was dieser im Schilde führt. Obwohl die Freiheit der anderen meine eigene Freiheit voraussetzt, bedeutet dies Kontrollverlust. Dieser Kontrollverlust ist es, der Angst bereitet– uns, den Supermächten oder dem Staat. Die Unberechenbarkeit von Menschen hat zu einer wahren Kontrollhysterie geführt. Vorratsdatenspeicherung und der Ausbau von Videoüberwachungen sind nur kleine Beispiele, die zum Wohle der Sicherheit die Kontrolle aufrechterhalten sollen. Es scheint, als bräuchte es in der heutigen Zeit gar keinen Spionageskandal, da wir scheinbar sowieso bereit sind unsere Freiheiten zu opfern.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ besagt Artikel 1 der Menschenrechte. Doch sie wird jeden Tag angetastet. Um den Traum von absoluter Sicherheit zu erlangen, geben wir unsere Würde ab. Dass absolute Sicherheit nicht erreichbar ist bzw. im Kontrast zu einem freien Leben steht, sehen wir nicht ein. Freiheit kann auch deswegen Angst machen, weil man sich selbst gar nicht mit allen Möglichkeiten konfrontieren will. Die Entscheidung ein freies Leben zu führen bedeutet, dass ich für meine Taten und Handlungen auch die Verantwortung übernehme. Seiner Vernunft gegenüber Demut den Vorzug zu geben impliziert automatisch Konflikte.

Die Tendenzen der heutigen Zeit machen mir etwas Angst. Sie bereiten mir die Angst meine Freiheit zu verlieren. Und gleichzeitig stell ich mir die Frage, ob man diese nicht ohnehin zu wenig in Anspruch genommen hat und Vorgänge demütig akzeptiert anstatt mitentschieden hat. Benjamin Franklin sagte bereits im 18. Jahrhundert „Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren“.

Und deswegen ist mir die Kostbarkeit meiner Freiheit mittlerweile mehr bewusst als noch zu Schulzeiten.

 

Autorin: Claudia Witzeneder